Im Winter des Jahres 1928 Im Winter des Jahres 1928 trafen sich in einer Fürstenberger Gaststätte die Herren Ortsvorsteher Joh. Drüppel, Amtsrentmeister Eduard Gabrio,Gutsbesitzer Franz Klinke, Fischzuchtmeister Rameil, der Vorsitzendedes Gesangvereins Josef Wiedemeier und der Schmiede- und Brandmeisterder Feuerwehr Heinrich Schäfer.Es wurde über die Hohe- und Kommunalpolitik diskutiert. Dabei kamdie Sprache auch auf die im Vorjahr gegründete und bereits mehrfachaufgetretene „Knüppelmusik“, die aus Mitgliedern der Feuerwehr hervorgegangenwar. Die Herren waren einer Meinung, dass dieser jungeVerein zur Förderung des Zusammenhaltens der Dorfgemeinschaft beigetragenhatte.Wie schön wäre es, wenn bei den dörfl ichen Veranstaltungen auch eineFürstenberger Blaskapelle aufspielen könnte. Dieser Gedanke wurdeausgiebig diskutiert. Es ließ die Herren nicht mehr los. Doch die Problemeschienen unüberwindbar. Es fehlte vor allem Geld für das Beschaffenvon Instrumenten, wer sollte Noten und Instrumentenkundelehren, wo sollte geprobt werden, wer sollte die Instrumente beschaffen,woher sollten die Männer kommen, die bereit waren mitzumachen.Es wurde weiter diskutiert und die Debatte wurde immer heftiger, worander Korn und der Gerstensaft nicht ganz unschuldig waren. Doch wie sooft in solch aussichtslosen Situationen kam plötzlich die Lösung.Als erster machte Bürgermeister Drüppel den Vorschlag: „Die rundeSchule steht leer, das ist ein idealer Übungsraum.“Dann ging es Schlag auf Schlag. Die guten Ideen nahmen kein Ende.Brandmeister Schäfer: „Die Musikkapelle wird auch aus den Reihen derFeuerwehr gebildet.“Franz Klinke, Amtsrentmeister Gabrio: „Wir übernehmen die Bürgschaftfür das erste Darlehn.“Fischzuchtmeister Rameil: „Ich, als ehemaliger kaiserlicher Militärmusikerkümmere mich um die Beschaffung der Instrumente.“Vorsitzender des Gesangvereins Wiedemeier: „Die ersten Noten bringeich den Jungs‘ bei.“Die Fürstenberger Feuerwehrkapelle war geboren. Die Gründer oben von linsk: Eduard Gabrio, Heinrich Schäfer und Franz Klinkeunten von links: Emil Rameil, Josef Wiedemeier und Johannes Drüppel Es wurde schnell gehandelt. Beim ersten Übungsabend der Feuerwehrwird das Vorhaben bekanntgegeben. Der Vorschlag von BrandmeisterSchäfer wird mit Begeisterung aufgenommen. Es melden sich gleichüber 20 Feuerwehrkameraden, die bei der neuen Blasmusik mitmachenwollen.Die Fürstenberger Lehrer Knoop und Vogel erteilen Notenunterricht. DerGesangsvereinsvorsitzende Wiedemeier besorgt die Noten der erstenMusikstücke.Inzwischen sind die Instrumente angekommen. Herr Rameil hat einegute Wahl getroffen. Sicher hat ihm die Erfahrung, die er als erster Trompeterbeim kaiserlichen Garderegiment in Berlin erworben hat, beim Zusammenstellendes Klangkörpers geholfen.Auch ein von Brandmeister Schäfer bei der Kreissparkasse beantragtesDarlehn über 1.000,- Goldmark ist genehmigt. Als Bürgen haben dieHerren Franz Klinke und Eduard Gabrio unterschrieben.Die junge Kapelle macht rasch Fortschritte. Daran haben auch die beidenFürstenberger Theologiestudenten Josef Falke und August Hennekenkräftig mitgewirkt. Auch sie unterrichten die jungen Musiker in Notenkunde.Bei der Auferstehungsfeier am frühen Ostersonntagmorgen 1928 staunenviele Fürstenberger Kirchenbesucher. Nach der Stille der Kartageertönt von der Orgelbühne der Kirche das Auferstehungslied, zum erstenMal in Fürstenberg von einer Blaskapelle gespielt. Die Leitung beidiesem Auftritt hat Josef Falke.Die Begeisterung der Bevölkerung ist groß. Die Musiker werden von allenSeiten gelobt. Das gibt Ansporn zu neuen Taten.Das Fronleichnamsfest steht bevor. Es wird bis zu viermal in der Wochegeprobt. Josef Falke, der inzwischen die Leitung übernommen hat, gibtsich große Mühe. Am Vorabend von Fronleichnam wird bis spät in dieNacht hart gearbeitet. Alle Prozessionslieder sind eingeübt.Nur an das gemeinsame Marschieren hat bis jetzt noch niemand gedacht.Eile ist geboten. Man einigt sich darauf, am nächsten Morgen6.00 Uhr früh, auf der alten Trift die Generalprobe durchzuführen.Die Mühen haben sich gelohnt, auch der zweite Auftritt wird ein vollerErfolg. Josef Falke hat den ganzen Prozessionsweg rückwärtsgehend dirigiert.Somit konnte er immer Blickkontakt mit seinen Musikern halten. Die Fürstenberger Feuerwehrkappelle beim Kriegerfest 1934 und 1935 Wie in der Gemeindechronik von Fürstenberg aus dem Jahre 1929 zulesen ist, hat die junge Kapelle auch im zweiten Jahr ihres Bestehens dieProzessionen der Kirchengemeinde mitgestaltet. Diese Aufgabe nimmtder Musikverein bis zum heutigen Tage wahr.Beim ersten Stiftungsfest der Feuerwehr 1929 stellt die neue Kapelledie Festmusik. So ist auch der erste Auftritt bei einem weltlichen Festgelungen.Im nächsten Jahr verpfl ichtet der Kriegerverein die Feuerwehrkapelle alsFestmusik für sein dreitägiges Fest.Der Durchbruch ist geschafft. Es kommen Anfragen aus vielen Orten.Eine Menge Auftritte folgen. Mit dem eingespielten Geld werden die Ratendes Darlehns für die Instrumente bezahlt.Die Leitung der Kapelle hat jetzt Anton Tingelhoff übernommen, da JosefFalke in einen Orden eingetreten ist.Als weiterer Höhepunkt des jungen Musikzuges ist das Musik- und Feuerwehrfestam 30. Juli 1933 zu nennen. Neun Musikkapellen und zehnFeuerwehren nahmen an dem Festzug teil. Jedem Verein waren zweiEhrendamen zugeteilt, die im Festzug, festlich geschmückt, im langenKleid den Gastverein begleiteten. Die Herren, die sich um das Zustandekommender Musikkapelle verdient gemacht hatten, nahmen am Festzugals Ehrengäste teil.Es würde zu weit führen, näher auf die vielen Auftritte des Musikzugeseinzugehen. Der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Fürstenberg warein begehrter Gast bei den Musikfesten der Nachbarvereine, auch alsFestmusik bei den Schützen-, Krieger- und Sportfesten der nahen undweiteren Umgebung hatten die Feuerwehrmusiker schnell einen gutenRuf.Durch den Beginn des zweiten Weltkrieges wurden die Aktivitäten desMusikzuges vorerst beendet. Sechs Musiker mussten den Einsatz fürsVaterland mit dem Leben bezahlen. So ging es nach dem 2. Weltkrieg weiter... Der 2. Weltkrieg hatte es mit sich gebracht, dass viele Musiker der Feuerwehrkapellenicht zu Hause waren und so kein sinnvolles Musizierenim Verein möglich war. Im Übrigen hatten die Daheimgebliebenen wohlauch keine rechte Lust Übungsstunden abzuhalten. Also ruhte die Probenarbeitwährend des Krieges.Schon im Winter 1945 sammelte aber der Kapellmeister Anton Tingelhoffalle wieder verfügbaren Musiker um sich und begann im kleinen Saalder Gastwirtschaft Koch mit den Musikproben. Viele der ehemaligen Mitspielerwaren aber immer noch nicht wieder zu Hause. Nach und nachwuchs die Zahl der Aktiven durch Rückkehrer aus der Gefangenschaft,aber auch durch junge, neue Mitspieler. Einige ehemalige FürstenbergerMusiker kehrten nicht aus dem Krieg zurück.Noch im Winter 1945/46 hatte die Feuerwehrkapelle nach der Zwangspauseihren ersten Auftritt. Man spielte bei einem gemütlichen Abendder Feuerwehr Fürstenberg. Da der Alkoholgenuss damals noch verbotenwar, gab es nur „Dünnbier“. (Unter den Tischen soll aber auch selbstgemachterSchnaps die Runde gemacht haben.)Bald war die Zahl der Fürstenberger Blasmusiker auf etwa 30 angewachsen,so dass wieder ordentliche Musik gemacht werden konnte.Ein großes Problem war zur damaligen Zeit aber die Beschaffung vonNotenmaterial. Es wurden kaum neue Musikstücke gedruckt, und auchschon bekannte Stücke konnten nur sehr selten beschafft werden. Somussten sich die Musiker anfangs ihre Stimmen meist selbst schreibenSie wurden dann zur Vervielfältigung einfach von Hand zu Hand weitergereicht. Schützenfest in Fürstenberg 1948 Der Musikverein nach dem Kriege... Im Jahre 1947 übernahm der Lehrer Nowakowski die musikalische Leitungder Feuerwehrkapelle. Er behielt diesen Posten bis 1955.Unter seiner Führung spielten die Musiker im August 1947 bei der erstenFestveranstaltung nach dem 2. Weltkrieg in der alten Kriegerhalle inFürstenberg zum Tanz auf. Nach eindeutigen Belegen wurden dort 600Eintrittskarten verkauft.Im Oktober 1948 veranstaltete die Feuerwehrkapelle selbst ein Tanzvergnügenund lud zum „Sommerabschlussball“ in die Kriegerhalle inFürstenberg ein.Überhaupt bescheinigen die noch vorhandenen Unterlagen der Feuerwehrkapelleein reges Vereinsleben. Unter anderem wurde im Juli 1949in Fürstenberg ein großes Musikfest veranstaltet, im Februar 1950 zueinem Konzertabend im Saale Koch eingeladen und im März 1951 sogarein Konzert in der Gastwirtschaft Künsting in Haaren gegeben.Auch auf Schützenfesten spielte man zu dieser Zeit. Bis 1954 gestaltetendie Musiker der Feuerwehrkapelle z. B. alle Schützenfeste in Fürstenberg.Der Erlös für so ein dreitägiges Schützenfest betrug damals 600DM. Ein Vergleich mit den damaligen Instrumentenpreisen mag dieseSumme allerdings etwas relativieren. So kostete die im Dezember 1952vom Verein angeschaffte Kaisertuba 931,50 DM. Heute müsste man mitfast dem zehnfachen dieses Preises rechnen. Immerhin wurden 1952zwei Schützenfeste für das Instrument gespielt. Dieses Beispiel zeigtauch, wie die Verteilung der Instrumente in der Feuerwehrkapelle war.Die meisten Instrumente gehörten dem Verein und waren an die Musikerausgeliehen. Nur wenige Mitspieler hatten ein eigenes Instrument.Übrigens war die Feuerwehrkapelle ab 1950 ein eigenständiger Verein,während sie bis zu diesem Zeitpunkt den Musikzug innerhalb der FeuerwehrFürstenberg bildete.Mit der Trennung von der Feuerwehr war auch die Anschaffung einerneuen Uniform verbunden. Nun mussten die Musiker im Sommer nichtmehr in den hochgeschlossenen Feuerwehruniformen schwitzen.Bis ins Jahr 1955 hinein waren die Musiker der Feuerwehrkapelle sehraktiv. Man fand sie auf vielen Festen in der näheren und weiteren Umgebungvon Fürstenberg.Dann aber zwang die in dieser Region herrschende Arbeitslosigkeitviele Fürstenberger zur Suche nach auswärtigen Arbeitsplätzen.Musikverein nach dem KriegeSo gingen auch viele Mitspieler der Blaskapelle ins Ruhrgebiet. Zwarwaren sie an den Wochenenden oft zu Hause, aber auf die Dauer konntedas dem Verein nicht bekommen. Die Probenarbeit schlief mangelsBeteiligung immer mehr ein, und die öffentlichen Auftritte mussten daherreduziert werden.Als keine Besserung in Sicht war, löste sich die Feuerwehrkapelle imLaufe des Jahres 1955 auf.